Ein Kübel, Buddhismus und Stress.

Foto: Maciej Perek
Foto: Maciej Perek

 

Was haben ein Kübel (österr. für Eimer), Buddhismus und Stress gemeinsam?

 

Ein Kübel ist ein Kübel ist ein Kübel, ok, Eimer geht auch. Was kommt Ihnen beim Anblick dieses harmlosen Eimers in den Sinn?

Der letzte Hausputz, bei dem Sie sich das Kreuz verrissen haben?

Der Samstag im Mai, an dem Ihr Enkelkind zum ersten Mal die Sandkiste erkundet hat?

Die Geburtstagsfeier in der letzten Klasse, bei dem der Alkohol zum ersten Mal so richtig gezeigt hat, was er anrichten kann?

 

Welche Erinnerungen so ein harmloser Eimer auslösen kann.

Und doch ist er nur ein Gegenstand.

Aber wir füllen ihn mit Bedeutung, mal positiv, mal negativ. Sein Anblick kann sogar Gefühle, Körperempfindungen, Geruchserinnerungen hervorrufen.

 

Genauso entsteht Stress.

 

Es passiert etwas. Für uns eine Kleinigkeit, nicht der Rede wert.

Für die Kollegin jedoch die Katastrophe: Ihr Blutdruck steigt, sie beginnt zu schwitzen, ärgert sich, schreit herum, beruhigt sich bis zum Abend nicht mehr.

Was ist passiert? Warum geht es ihr so schlecht und mich berührt das Thema kaum?

 

Wir bewerten Dinge, Ereignisse, Umstände je nach unseren Erfahrungen und Gedankenmustern, nach unseren Glaubenssätzen und Annahmen. Und diese sind von Person zu Person unterschiedlich.


"Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen,

sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.”

Epiktet - Philosoph

 

Wir selbst weisen den Dingen ihre Bedeutung zu, wir selbst entscheiden (meistens unbewusst), ob etwas gut oder schlecht ist, ob wir uns etwas zutrauen oder nicht, usw.

"Ich kann das nicht!" oder "Ich bin dazu zu ....!" ist ein sehr beliebtes Bewertungsverfahren, das vielleicht unseren Erfahrungen entsprechen mag, aber deshalb noch nicht "wahr" ist. Die Bewertung nehmen wir selbst vor.

Ob der Eimer nun mit angenehmen oder unangenehmen Gefühlen verbunden ist, ist bei jedem anders. Der Eimer bleibt ein Eimer, oder eigentlich nur ein Ding. Eine Einheit. Eine Leere. Ohne Bedeutung, bis wir sie ihm "geben".

 

Im Buddhismus bedeutet der Begriff der Leerheit, daß alle Dinge in der Welt der Erscheinungen, in der wir leben, grundsätzlich "leer" sind. Es handelt sich nur um eine Vorstellung, doch in Wirklichkeit ist da nichts.

 

Der Eimer wird zum Eimer, weil ich ihn als solchen sehe.

Der Eimer ist ein Putzeimer, weil ich ihn so verwende.

Der Eimer wird für den geplagten Studenten, der zu viel gefeiert hat, zum "Hilfsmittel" bei Übelkeit.

Der Eimer ist für meinen Hund ein Spielzeug zum Herumtoben und Zerbeißen.

Und so weiter.

 

Diese Sichtweise kann ganz neue Erkenntnisse bringen, wenn es um unsere Gedanken und Gefühle geht:

Die Dinge sind wie sie sind. Ich gebe ihnen erst ihre Bedeutung, die sie für mich haben.

Natürlich passiert die erste, spontane Reaktion ganz automatisch. Aber ich kann mich dafür entscheiden, dabei zu bleiben oder eine neue Sichtweise auszuprobieren.

Warum nicht eine Situation einmal ganz anders bewerten als bisher?